Kleines 1x1 der Festungsbaubegriffe

 

  Begriffe zum Festungsbau

Die Begrifflichkeiten im Festungsbau sind schon etwas eigentümlich. Teils aus dem Französischen stammend, teils in mehreren Schreibweisen verfügbar habe ich selbst lange gebraucht zu verstehen, was mit dem einen oder anderen Begriff gemeint ist. Daher will ich an dieser Stelle versuchen einige Begriffe anhand von Bilder zu erklären. 

Diese Liste erhebt längst nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und ist daher noch ausbaufähig.

Bastion

 

Aus dem Wall heraus ragendes, nach hinten offenes Werk. Meist mit fünfeckigem Grundriss so aufgebaut, das sich ihre Farcen durch die Flanken der der Nachbarwerke gedeckt werden.

 
Bastion des Fort Landau/Deutschland

 

Diamantgraben 

 

Schmaler Graben der direkt vor den Scharten angelegt wurde. Er soll eine direkte Annäherung an die Scharte verhindern und zudem verhindern, dass durch Beschuss herabgefallene Teile die Scharte versperren.


Diamantgraben vor einer Geschützbatterie der Festung Simserhof/Frankreich

 

Escarpe

Innere Mauer des Festungsgrabens, oftmals mit Galerie.
Im Bild rechts ist die zerstörte Escarpe der Festung Rüsselsheim mit der dahinterliegenden Galerie zu erkennen.


Escarpe mit Escarpgalerie des Festung Rüsselsheim/Deutschland
Escarpgalerie

Siehe Escarpe

 

Farce

 

Die dem Feind zugekehrte Seite einer Bastion. Durch geschickte Anordnung der Bastionen war es möglich von der benachbarten Bastion aus flankierend an der Farce vorbei zu schießen um so einen frontal angreifenden Feind abzuwehren.


Farce einer Bastion der Festung Bitche/Frankreich

 

Flanke mit Kanonenhof

 

Die Seite einer Bastion, die die Kurtine flankiert und diese somit von der Seite unter Feuer nehmen konnte.

Durch die geschickte Anordnung von Flanken und Farcen konnten die, in den Flanken aufgestellten Geschütze, feindliche Truppen vor der Farcen der benachbarten Bastion bekämpfen.

 

Die Dort flankierend eingebauten Geschütze gehören zum Kanonenhof. Gut zu erkennen an den vier Scharten rechts im Bild.


Flanke einer Bastion des Chateau de Oleron/Frankreich

 

Glacis

Erdanschüttung vor dem Graben, die so angelegt ist, dass sich kein toter Winkel zur Annäherung des Feindes ergibt. Im Bild rechts der eingeebnete Bereich vor dem Graben. 


Glacis der Festung Neuf Brisach/Feankreich

 

Graben

 

Erdvertiefung vor der eigentlichen Festung. Dieser kann sowohl trocken, als auch nass ausgeführt sein. Die Wände des Grabens können gemauert sein oder nur aus Erdaufschüttungen bestehen. Häufig wurden Festungen mit trockenen Gräben gebaut, die im Bedarfsfalle durch Schleusenanlagen unter Wasser gesetzt werden könnten. Bei moderneren Festungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Gräben zudem von der Geometrie her so angelegt, dass sie als Panzerhindernisse dienen konnten (Panzergraben).


Nasser Graben der Festung Gravelines/Frankreich

 

Grabenstreiche

Im Graben errichtete Verteidigungsanlage, die den Graben zumeist aus einem Knick heraus unter flankierendes Feuer nehmen kann. Häufig auch als Doppelte Grabenstreiche zur Verteidigung beider Richtungen an einem Knickpunkt angelegt.


Doppelte Grabenstreiche der Festung Kaiser Wilhelm II/Frankreich

 

Kanonenhof

Siehe Flanke mit Kanonenhof 

 

Kaponniere
Grabenkoffer, Grabenwehr

 

Frei in den Graben hinein stehendes Werk das, zumeist nach beiden Seiten, den Graben unter Feuer nehmen konnte.

Hier mit drei Geschützscharten den Graben deckend.

Forte Airolo
Kaponniere der Forte Airolo/Schweiz

 

Konterescarpe
Contrescarpe, Contreescarpe

Äußere Mauer oder Böschung des Festungsgrabens.


Kontereskarpe des Zwischenwerks VIIb in Köln/Deutschland

 

Konterescarpgalerie

In der äußeren Mauer des Festungsgrabens angelegt Galerie zur Verteidigung des Grabens.


Kontereskarpgalerie der Forte Airolo/Schweiz

 

Kurtine

 

Abschnitt des Walls, der zwei Bastionen oder Türme verbindet. 


Kurtine zwischen zwei Bastionen von Fort St. Elmo/Malta

 

Panzerkuppel

 

Aus Stahl gefertigte Kuppel zur Beobachtung oder zum Waffeneinsatz. Im Gegensatz zu Panzertürmen ist sie nicht drehbar sondern besitzt eine entsprechende Anzahl Öffnungen. Insb. im Zusammenhang mit dem Westwall oder Atlantikwall auch als Panzerturm (z.B. 6-Scharten Turm) bezeichnet.


Panzerkuppel der Festung Schoenenbourg/Frankreich

 

Panzerturm

 

Panzertürme wurden in Arten gebaut. Als reine Panzertürme oder als Verschwindetürme (siehe dort). Aufgrund der Bewaffnung kommen reine Panzertürme vorwiegend bei langen Geschützen und/oder großen Kalibern vor.


Panzerturm für ein 30,5 cm Doppelgeschütz, Rio de Janeiro/Brasilien

 

Ravelin

 

Wallschild

Ursprünglich ein, einem Wallabschnitt mit Tor vorgebauter, oft dreieckiger Festungsteil. Später als eigenständiger Festungsteil vor torlosen Kurtinen erbaut.

Hier im Bild rechts die Ursprüngliche Form die einem Tor vorgelagert ist.


Ravelin der Citadelle von Calais/Frankreich

 

Verschwindeturm

 

Bei Verschwindetürmen handelt es sich im drehbare Panzertürme für Maschinengewehre oder Geschütze, die in Ruheposition eingefahren waren und nur zur Feuerabgabe gehoben wurden. Ihr Aufbau ermöglichte ein Schussfeld von 360°.


Eingefahrener Verschwindeturm des Fort Fermont/Frankreich.